Gesundheitsaspekte

aktualisiert Nov. 2025

 

Wie nehmen wir mikro-/nanoplastik (MNP) auf?

Inzwischen ist belegt, dass Mikro- und Nanoplastik (Abkürzung: MNP) auf 3 verschiedenen Wegen in die Menschen eindringen kann: Über die Nahrung, über die Atmung und sehr feine Partikel auch über die Haut. 
Übersicht/Quellen: bfr.bund.de (2024); Umweltbundesamt DE (2025)

MIkroplastik und Chemikalien im Trinkwasser:

Mineralwasser in PET-Flaschen kann relevante Mengen an Mikroplastik enthalten. Dies geht aus verschiedenen Studien hervor.
Quellen: zdfheute (2025); swissinfo.ch (2025); Food Packaging Forum (2022, engl.)
Kommunales Leitungswasser wird aufbereitet/filtriert und scheint (noch?) weitgehend plastikfrei zu sein.
Bemerkung: Grundwasser und Leitungswasser sind nach neuen Untersuchungen an manchen Orten mit Trifluoressigsäure (TFA, einem Abbauprodukt u.a. von Pflanzenschutzmitteln) kontaminiert. Über die gesundheitliche Relevanz wird noch geforscht. Quelle: SRF (2025). Leitungswasser von der örtlichen Wasserversorgung ist aber in vielen Fällen den gekauften Mineralwässern ebenbürtig.
Empfehlung: Verlange von deiner Gemeinde oder beim Mineralwasserabfüller Messresultate über Trifluoressigsäure und andere problematische Stoffe und kaufe Mineralwasser in Mehrweg-Glasflaschen, möglichst aus der Region.

Mikroplastik in Lebensmitteln

In gewissen tierischen Lebensmitteln oder in landwirtschaftlichen Produkten können schon beim Fang bzw. bei der Ernte Mikroplastik oder Plastikzusatzstoffe vorhanden sein. Obwohl meist nur ein kleiner Teil vom Körper aufgenommen wird, ist es ratsam, die Aufnahme von Mikroplastik zu vermeiden. Denn Mikroplastik kann selbst viele problematische Zusatzstoffe enthalten (und es können zusätzlich viele Schadstoffe und Bakterien an den Mikroplastikpartikeln anhaften). Auch Lebensmittelverpackungen und Geräte aus Plastik können während der Lagerung oder beim Kochen sowohl Kunststoffteilchen (Mikroplastik) oder darin enthaltene problematische Zusatzstoffe (Additive) in die Lebensmittel abgeben, welche wir dann „mitessen“. Mehr Infos: Oekoskop Nr. 4/24, Seite 8 (2024); Lebensmittelverband.de (2025); umweltberatung.at

Es wurde z.B. auch nachgewiesen, dass sich auf Gemüse aus dem Schweizer Detailhandel gesundheitsschädigende Substanzen aus dem Abrieb von Autopneus wiederfinden. Obwohl die Daten keine akut toxische Wirkung nahelegen, besteht bzgl. einigen speziellen Substanzen und der Langzeitwirkung Ungewissheit.
Quellen: swissinfo.ch (2023); Siencedirect.com (2025, engl.)

Empfehlung: Gemüse und Obst wo möglich unverpackt kaufen und vor dem Verzehr gründlich waschen. Vermeide Gefässe oder z.B. Teebeutel aus Plastik.

Mikroplastik in der Luft: Die Aufnahme von Mikroplastik durch Einatmen wurde bisher unterschätzt. Die Umgebungsluft ist zwar stark abhängig von den örtlichen Verhältnissen, in einer neueren Studie (Südfrankreich, 2025) betrug aber die Konzentration der schwebenden Plastikteilchen in der Umgebungsluft in Haus-Innenräumen durchschnittlich 528 Partikel/m3 und  in Auto-Innenräumen 2,238 Partikel/m3.  94% der gefundenen Teilchen waren kleiner als zehn Mikrometer und somit fähig, in die Lunge einzudringen. Die Aufnahme betrug im Schnitt 3’200 Partikel pro Tag (für die Partikelgrösse 10-300 Mikrometer) und 68’000 Partikel pro Tag. (für die Partikelgrösse 1-10 Mikrometer). Quelle: PLUS ONE (2025)

Unser Tipp: Meide zuhause Möbel, Teppiche und Textilien aus Kunststoffen

Gesundheitsrisiken 

Mikro- und Nanoplastik (MNP)

Stand 2019:  «Mikroplastik spielt nach derzeitigem Kenntnisstand als Bestandteil von Feinstaub ebenfalls eine Rolle, wobei fast ausschließlich der Reifenabrieb eine relevante Quelle darstellt. Als Feinstaub schädigen diese Partikel die menschliche Gesundheit, spezielle Wirkungen von luftgetragenem Kunststoff auf Ökosysteme sind bisher nicht belegt.»
Umfassende Dokumentation: umweltbundesamt.de (2019) 

2021 (Weitere Forschungen stehen erst am Anfang): Es wurde berichtet, dass Mikroplastik an sich, im Verdacht steht, rein mechanisch im Menschen Zellschäden zu verursachen.
Quellen: Artikel auf theguardian.com (2021, engl.) / Artikel auf pnas.org (2021, engl.)
Weitere Infos z.B. unter: https://de.wikipedia.org/wiki/Kunststoff und https://www.elstel.org/GiftImPlastik.html

Die Zahl der Studien zur gesundheitlichen Wirkung von MNP und Zusatzstoffen ist seither gewachsen. Oft konnten aber die Zusatzstoffe vom eigentlichen Polymer nicht klar unterschieden werden. Man weiss aber heute z.B., dass in einem einfachen Autoreifen ca. 400 Chemikalien stecken, von denen einige toxisch sind, die Wirkung auf den Menschen z.T. aber noch erforscht werden (Quelle: swissinfo.ch (2023). Gesichert ist, dass Nanoplastik (kleiner als 1 Mikrometer = 0,001 mm) auch über die Haut aufgenommen werden kann und dass Mikroplastik im Blut und in Organen und Zellen der Menschen zu finden ist und dass es Entzündung und diverse Krankheiten befördern kann. Eine neuere Übersicht gibt folgende Metastudie: frontiersin.org (2025, engl.)

Hier ein paar Beispiele aktueller Studien:

  • In einer italienischen Studie wurden bei der Operation von Infarkt-Patienten Proben der entfernten Plaque der Halsschlagader untersucht. Bei 150 von 257 Patienten wurde Mirko-/Nanoplastik in der Plaque gefunden und als Polyethylen, bei 32 Patienten auch als PVC identifiziert. Die Patienten wurden nach der Genesung 34 Monate weiter beobachtet. Die (ehemaligen) Patienten mit MNP in der Plaque hatten dabei ein deutlich höheres Risiko für weitere schwerwiegende Ereignisse wie Infarkt, Schlaganfall oder Tod.
    Quelle: New Engl. J. Med. (2024, engl.)
  • Chinesischen Studien fanden Mikro-/Nanoplastik in männlichen und weiblichen Fortpflanzungsorganen und im Zentralnervensystem. Das MNP konnte als PE, PP, PS und PVC identifiziert werden. Bei Patienten mit einer Infektion des Zentralnervensystem war die Blut-Hirnschranke beeinträchtigt und es wurden höhere Konzentrationen an PE und PP gemessen als bei gesunden Probanden. Quelle: sciencedirect.com (2024, engl.)
  • In Invitro- und Invivo-Studien konnte auch festgestellt werden, dass vor allem kleine Partikel (Nanoplastik) die Blut-Hirnschranke passieren und Nervenentzündungen bzw. neurodegenerative Krankheiten auslösen können.  Quelle: sciencedirect.com (2024, engl.)
  • In einer weiteren Studie wurde Mikro- und Nanoplastik in der Leber, der Niere und im Gehirn von Verstorben gefunden. Dabei wurden 2024 gegenüber 2016 eine Zunahme der Mengen gemessen. Die grösste Konzentration (mehrheitlich Polyethylen) wurde im Gehirn von verstorbenen Demenzpatienten gefunden, was den Verdacht nährt, es könnte einen Zusammenhang zwischen Mikroplastik und Demenz bestehen. Quelle: nature.com (2025, engl.)
  • Eine Übersichts-Studie legt nahe, das die Belastung mit Mikroplastik schädliche Effekte auf die Verdauung, Fortplanzung und Atemwege hat. Quelle: ACS Publications (2024, engl.)

 

Additive (Zusatzstoffe)

In dem sog. „PlastChem“-Projekt (2025, engl.) werden von den über 16’000 erfassten Zusatzstoffen mindestens 4’200 Chemikalien als bedenklich für die Umwelt und/oder die menschliche Gesundheit beurteilt. Für fast 11’000 Substanzen gibt es noch gar keine Daten. Es fehlt derzeit ein umfassender Überblick über diese Chemikalien, was die Möglichkeiten einschränkt, Mensch und Umwelt vor gefährlichen Kunststoffchemikalien zu schützen.
«Kunststoffe sollten eigentlich gar keine schädlichen Chemikalien enthalten. Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen jedoch, dass sie einerseits absichtlich verwendet werden (Red: zur Optimierung technischer Eigenschaften und für bessere Convenience) oder aber unbeabsichtigt in allen Arten von Kunststoffen vorhanden sind“, sagt Martin Wagner, Hauptautor der Studie und Professor an der «Norwegian University of Science and Technology» (NTNU) in Trondheim. «Dies unterstreicht die Notwendigkeit, Kunststoffe sicherer zu machen.»
Quelle: EMPA/Eawag (2025)

«Monomere und Zusatzstoffe wie Weichmacher, UV-Filter, Farbstoffe, Flammschutzmittel etc. können mit dem Mikroplastik oder bei direktem Kontakt mit Lebensmitteln problematisch für die menschliche Gesundheit sein, indem sie aus dem Kunststoff austreten und über die Nahrungskette in den Menschen gelangen. Besondere hormonaktive Substanzen sind kritisch zu betrachten. So ist z.B. «Bisphenol A» schon in kleinsten Mengen hormonaktiv und kann zu Diabetes mellitus, Fettleibigkeit, Störungen der Schilddrüsenfunktion, Entwicklungsstörungen (insbesondere bei Kindern) und Unfruchtbarkeit beitragen. «Bisphenol A» ist in der EU für gewisse Babyartikel verboten; ab Januar 2025 (mit Übergangsfristen) auch in Lebensmittelkontaktmaterial»
Beispiel Bisphenol A: https://de.wikipedia.org/wiki/Bisphenol_A

Problematische, mehrheitlich hormonaktive Zusatzstoffe oder Monomere, die aus ungeeigneten Verpackungen in Lebensmittel einfliessen (migrieren) können sind u.a.: Styrol, Phthalate, Bisphenol A, PFAS (per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen).

 

Zur Vertiefung: Video Webinar mit Dr. med T.Hrasko (2023, 41min)

Grafik: PLASTIKATLAS | Appenzeller/Hecher/Sack, CC BY 4.0

Plastikfasten