Gesundheitsaspekte
aktualisiert Dez. 2025
Wie nehmen wir mikro-/nanoplastik (MNP) auf?
Inzwischen ist belegt, dass Mikro- und Nanoplastik (Abkürzung: MNP) auf 3 verschiedenen Wegen in die Menschen eindringen kann: Über die Nahrung, durch Einatmen und sehr feine Partikel auch über die Haut. Metastudie: frontiersin.org (2025, engl.) Dazu waren auch weiterentwickelte analytischen Methoden zur Messung von Mikro-/Nanoplastik (MNP) nötig (siehe z.B.: Medizinische Universität Wien, 2025).
Das deutsche Umweltbundesamt schreibt: „Wenngleich sich zahlreiche wissenschaftliche Studien in den vergangenen Jahren intensiv mit den Fragen von Exposittion, Resorption und Verbleib im Organismus beschäftigten, bleiben noch viele Fragen offen. Eine zentrale Erkenntnis ist allerdings, dass Mikroplastik mittlerweile in fast allen menschlichen Organen und Geweben nachweisbar ist“
Quelle (Übersicht): Umweltbundesamt DE (Okt. 2025)
MIkroplastik im Trinkwasser:
Bild: stockshop
Studien zu Mikroplastik in Leitungswasser und Flaschenwasser zeigen, dass die Konzentrationen stark variieren, je nach Partikelgröße, Messmethode, erfasste Partikelgrössen, Region und Wasserquelle. Generell enthalten Flaschenwässer in Kunststoffflaschen höhere Mengen an Mikro- und Nanoplastik als Leitungswasser, oft aufgrund der Verpackung (z. B. PET-Flaschen und Verschlüsse).
Quellen: zdfheute (2025); swissinfo.ch (2025); Food Packaging Forum (2022, engl.), ewg.org (2023, engl.), PubMed Central (2022, engl.)
Kommunales Leitungswasser wird aufbereitet/filtriert und scheint oft (noch?) weitgehend plastikfrei zu sein. Quelle: radio/bayern1 (2025)
Empfehlung:
Verlange von deiner Gemeinde oder beim Mineralwasserabfüller Messresultate über Mikroplastik (und problematische Stoffe wie z.B. Trifluoressigsäure, Nitrate etc.).
Kaufe Mineralwasser in Mehrweg-Glasflaschen (möglichst aus der Region).
MIkroplastik in Lebensmitteln:
In gewissen tierischen Lebensmitteln oder in landwirtschaftlichen Produkten können schon beim Fang, bei der Schlachtung bzw. bei der Ernte Mikroplastik oder Plastikzusatzstoffe vorhanden sein. Obwohl meist nur ein kleiner Teil vom Körper aufgenommen wird, ist es ratsam, die Aufnahme von Mikroplastik zu vermeiden. Denn Mikroplastik kann selbst viele problematische Zusatzstoffe enthalten (und es können zusätzlich viele Schadstoffe und Bakterien an den Mikroplastikpartikeln anhaften). Auch Lebensmittelverpackungen und Geräte aus Plastik können während der Lagerung oder beim Kochen sowohl Kunststoffteilchen (Mikroplastik) oder darin enthaltene problematische Zusatzstoffe (Additive) in die Lebensmittel abgeben, welche wir dann „mitessen“. Mehr Infos: Oekoskop Nr. 4/24, Seite 8 (2024); Lebensmittelverband.de (2025); umweltberatung.at;
Es wurde z.B. auch nachgewiesen, dass sich auf Gemüse aus dem Schweizer Detailhandel gesundheitsschädigende Substanzen aus dem Abrieb von Autopneus wiederfinden. Obwohl die Daten keine akut toxische Wirkung nahelegen, besteht bzgl. einigen speziellen Substanzen und der Langzeitwirkung Ungewissheit.
Quellen: swissinfo.ch (2023); Siencedirect.com (2025, engl.)
Empfehlung: Gemüse und Obst wo möglich unverpackt kaufen und vor dem Verzehr gründlich waschen. Vermeide auch Gefässe oder z.B. Teebeutel aus Plastik.
Mikroplastik in der Luft
Die Aufnahme von Mikroplastik durch Einatmen wurde bisher unterschätzt. Die Qualität der Umgebungsluft ist zwar stark abhängig von den örtlichen Verhältnissen, in einer neueren Studie (Südfrankreich, 2025) waren aber die Konzentrationen der schwebenden Plastikteilchen in der Umgebungsluft überraschend hoch. In Haus-Innenräumen betrugen sie durchschnittlich 528 Partikel/m3 und in Auto-Innenräumen 2’238 Partikel/m3. 94% der gefundenen Teilchen waren kleiner als zehn Mikrometer und somit fähig, in die Lunge einzudringen. Die Aufnahme betrug im Schnitt 3’200 Partikel pro Tag (für die Partikelgrösse 10-300 Mikrometer) und 68’000 Partikel pro Tag. (für die Partikelgrösse 1-10 Mikrometer). Quelle: PLUS ONE (2025, engl.)
Empfehlung: Meide zuhause Möbel, Teppiche, Textilien etc. aus Kunststoffen
Bild: Stockshop
Gesundheitsrisiken
Mikro- und Nanoplastik (MNP)
Stand 2019: «Mikroplastik spielt nach derzeitigem Kenntnisstand als Bestandteil von Feinstaub ebenfalls eine Rolle, wobei fast ausschließlich der Reifenabrieb eine relevante Quelle darstellt. Als Feinstaub schädigen diese Partikel die menschliche Gesundheit, spezielle Wirkungen von luftgetragenem Kunststoff auf Ökosysteme sind bisher nicht belegt.»
Quelle: umweltbundesamt.de (2019)
2021 (Weitere Forschungen stehen erst am Anfang): Es wurde berichtet, dass Mikroplastik an sich, im Verdacht steht, rein mechanisch im Menschen Zellschäden zu verursachen.
Quellen: Artikel auf theguardian.com (2021, engl.) / Artikel auf pnas.org (2021, engl.)
Weitere Infos z.B. unter: https://de.wikipedia.org/wiki/Kunststoff und elstel.org
Die Zahl der Studien zur gesundheitlichen Wirkung von MNP und Zusatzstoffen ist seit 2021 stark gewachsen. Oft konnten aber die Zusatzstoffe vom eigentlichen ‚Plastik‘ nicht klar unterschieden werden. Obwohl viele Studien gesundheitliche Risiken nahelegen, ist es (noch) nicht möglich, kausale Beweise für MNP als Ursache von Krankheiten zu erbringen. Das liegt u.a. an der grundsätzlichen Schwierigkeit Langzeitwirkungen von Stoffen als Ursache von Krankheiten zu belegen, an unterschiedlichen Methoden aber auch an der grosse Komplexität und Verschiedenheit von Mikroplastik und dessen Inhaltsstoffen.
Wir sind allerdings der Meinung, wenn viele Studien gesundheitliche Risiken nahelegen, sollten wir nicht warten, bis die letzten Unsicherheiten beseitigt sind, sondern so schnell wie möglich Gegenmassnahmen einleiten, d.h. vor allem, den Eintrag von Mikroplastik in die Umwelt stoppen.
Das Deutsche Umweltbundesamt schreibt: „Die konkrete Gefährdung der menschlichen Gesundheit durch Mikroplastik ist demnach nicht abzuschätzen. Trotz der bestehenden Unsicherheiten in der Bewertung besteht aus der Gesamtschau der vorliegenden Studienlage ein hinreichender Grund zur Annahme einer Gesundheitsschädigung durch Mikroplastik beim Menschen. Deshalb sollten Strategien für eine Reduzierung der Mikroplastikbelastung des Menschen dringend unterstützt werden, denn nur auf diese Weise können die diversen potentiellen Risiken der zahlreichen unterschiedlichen Mikroplastikpartikel vermindert werden.„
Quelle: Umweltbundesamt DE (Okt. 2025)
Hier ein paar Beispiele aktueller Studien:
- In einer italienischen Studie wurden bei der Operation von Infarkt-Patienten Proben der entfernten Plaque aus der Halsschlagader untersucht. Bei 150 von 257 Patienten wurde Mirko-/Nanoplastik in der Plaque gefunden und als Polyethylen, bei 32 Patienten auch als PVC identifiziert. Die Patienten wurden nach der Operation 34 Monate weiter beobachtet. Die (ehemaligen) Patienten mit MNP in der Plaque hatten dabei ein deutlich höheres Risiko für weitere schwerwiegende Ereignisse wie Infarkt, Schlaganfall oder Tod.
Quelle: New Engl. J. Med. (2024, engl.) - Chinesischen Studien fanden Mikro-/Nanoplastik in männlichen und weiblichen Fortpflanzungsorganen und im Zentralnervensystem. Das MNP konnte als PE, PP, PS und PVC identifiziert werden. Bei Patienten mit einer Infektion des Zentralnervensystem war die Blut-Hirnschranke beeinträchtigt und es wurden höhere Konzentrationen an PE und PP gemessen als bei gesunden Probanden. Quelle: sciencedirect.com (2024, engl.)
- In Invitro- und Invivo-Studien konnte auch festgestellt werden, dass vor allem sehr kleine Partikel (Nanoplastik) die Blut-Hirnschranke passieren und Nervenentzündungen bzw. neurodegenerative Krankheiten (wie z.B. Alzheimer- oder Parkinson-Krankheit) auslösen können. Quelle: sciencedirect.com (2024, engl.)
- In einer weiteren Studie wurde Mikro- und Nanoplastik in der Leber, der Niere und im Gehirn von Verstorben gefunden. Dabei wurden 2024 gegenüber 2016 eine Zunahme der Mengen gemessen. Die grösste Konzentration (mehrheitlich Polyethylen) wurde im Gehirn von verstorbenen Demenzpatienten gefunden, was den Verdacht nährt, es könnte einen Zusammenhang zwischen Mikroplastik und Demenz bestehen. Quelle: nature.com (2025, engl.)
- Eine Übersichts-Studie legt nahe, das die Belastung mit Mikroplastik schädliche Effekte auf die Verdauung, Fortplanzung und Atemwege hat. Quelle: ACS Publications (2024, engl.)
- Eine neue Studie belegt, dass Mikroplastik das menschliche Darmmikrobiom (die Darmflora) verändert.
Quelle: Biermann Medizin (2025)
Additive (Zusatzstoffe)
In dem sog. „PlastChem“-Projekt (2025, engl.) werden von den über 16’000 erfassten Plastik-Zusatzstoffen mindestens 4’200 Chemikalien als bedenklich für die Umwelt und/oder die menschliche Gesundheit beurteilt. Für fast 11’000 Substanzen gibt es noch gar keine Daten. Es fehlt derzeit ein umfassender Überblick über diese Chemikalien, was die Möglichkeiten einschränkt, Mensch und Umwelt vor gefährlichen Kunststoffchemikalien zu schützen.
Man weiss heute z.B., dass in einem einfachen Autoreifen ca. 400 Chemikalien stecken, von denen einige toxisch sind, die Wirkung auf den Menschen z.T. aber noch erforscht werden. Quelle: swissinfo.ch (2023).
«Kunststoffe sollten eigentlich gar keine schädlichen Chemikalien enthalten. Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen jedoch, dass sie einerseits absichtlich verwendet werden (Red: zur Optimierung technischer Eigenschaften und für bessere Convenience) oder aber unbeabsichtigt in allen Arten von Kunststoffen vorhanden sind“, sagt Martin Wagner, Hauptautor der Studie und Professor an der «Norwegian University of Science and Technology» (NTNU) in Trondheim. «Dies unterstreicht die Notwendigkeit, Kunststoffe sicherer zu machen.»
Quelle: EMPA/Eawag (2025);
Trotzdem findet man kritische Zusatzstoffe besonders in hoch verarbeiteten Lebensmitteln und auch in Babyfood. Dies zeigt eine amerikanische Studie (Momentaufnahme); Quelle: Plasticlist-Studie (Dez. 2024, engl.)
«Monomere und Zusatzstoffe wie Weichmacher, UV-Filter, Farbstoffe, Flammschutzmittel etc. können im Mikroplastik oder in Lebensmittelverpackungen bei direktem Kontakt mit Lebensmitteln problematisch für die menschliche Gesundheit sein, indem sie aus dem Kunststoff austreten und über die Nahrungskette in den Menschen gelangen. Besonders hormonaktive Substanzen sind kritisch zu betrachten. So ist z.B. «Bisphenol A» schon in kleinsten Mengen hormonaktiv und kann zu Diabetes mellitus, Fettleibigkeit, Störungen der Schilddrüsenfunktion, Entwicklungsstörungen (insbesondere bei Kindern) und Unfruchtbarkeit beitragen. «Bisphenol A» ist in der EU für gewisse Babyartikel bereits verboten und ab Januar 2025 (mit Übergangsfristen) auch in Lebensmittelkontaktmaterialien» (Die EU Regelung wurde auf den 1.07.2025 auch von der Schweiz übernommen (siehe Faltenblatt des BLV).
Quelle: Food Packaging Forum (2024, engl.)
Grafik: PLASTIKATLAS | Appenzeller/Hecher/Sack, CC BY 4.0
Problematische, mehrheitlich hormonaktive Zusatzstoffe oder Monomere, bei denen genügend toxikologische Daten vorhanden sind und die aus ungeeigneten Verpackungen in Lebensmittel einfliessen (migrieren) können sind u.a.: Styrol, Phthalate, Bisphenol A, PFAS (per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen).
Zur Vertiefung sieh auch:
Video Webinar mit Dr. med T.Hrasko (2023, 41min)