Teil 3 der Serie: Hygiene und Plastik: Was ist notwendig – und was ist Gewohnheit?
Teil 1: Hygiene und Plastik – ein Missverständnis
Teil 2: Hygiene und Plastik – Wo Einweg wirklich notwendig ist
Teil 3: Plastikreduktion im Gesundheitswesen
Wie lässt sich Plastikverbrauch trotz strenger Hygieneanforderungen reduzieren?
Diese Frage beschäftigt zunehmend auch Schweizer Gesundheitseinrichtungen. Spitäler gehören zu den ressourcenintensivsten Institutionen – gleichzeitig unterliegen sie höchsten Sicherheitsstandards.
→ Teil 2 lesen: Wo Einweg wirklich notwendig ist
Nachhaltigkeit im Schweizer Gesundheitswesen
Auch in der Schweiz gewinnt das Thema ökologische Transformation im Gesundheitswesen an Bedeutung. Das Hôpitaux Universitaires de Genève (HUG) verfolgt eine institutionelle Nachhaltigkeitsstrategie mit dem Ziel, Abfall zu reduzieren, Ressourcen effizienter zu nutzen und Prozesse ökologisch zu optimieren.
Zudem zeigt das Forschungsprogramm „Green Hospital – Ressourceneffizienz bei Schweizer Spitälern“ (NFP 73), dass rund 7 % der nationalen Treibhausgasemissionen dem Gesundheitssektor zugeordnet werden. Der grösste Anteil entsteht dabei nicht durch einzelne Einwegprodukte, sondern durch Energie, Infrastruktur und Beschaffung.
Quelle:
HUG – Ecological transition in healthcare
Spitalabfälle. Ein stossendes Verhalten
Diese Erkenntnisse unterstreichen: Nachhaltigkeit im Gesundheitswesen ist eine Systemfrage – keine Materialfrage allein.
Fallbeispiel: Wiederverwendbare chirurgische Textilien
Mehrere Life-Cycle-Analysen zeigen, dass wiederverwendbare OP-Textilien über ihren gesamten Lebenszyklus eine geringere Umweltbelastung verursachen können als Einwegprodukte. Studien zu chirurgischen Schutzkitteln zeigen signifikante Reduktionen bei Energieverbrauch, Emissionen und Abfallaufkommen.
Fallbeispiel: Wiederverwendbare OP-Kopfbedeckungen
Eine Life-Cycle-Analyse im Bereich chirurgischer Kopfbedeckungen zeigte, dass wiederverwendbare Varianten eine deutlich geringere CO₂-Bilanz aufweisen als Einwegprodukte – bei vergleichbarer Schutzwirkung.
Quelle:
Life Cycle Assessment of Reusable vs Disposable Surgical Head Covers (JAMA Surgery)
Fallbeispiel: Wiederverwendbare Sterilisationscontainer
Viele Spitäler ersetzen mehrlagige Einwegverpackungen durch wiederverwendbare Metallcontainer. Solche Systeme reduzieren Abfall deutlich und erfüllen gleichzeitig alle Anforderungen an Sterilität und Patientensicherheit.
Die Forschung zeigt: Wenn Prozesse optimiert werden, lassen sich Verpackungsmaterialien erheblich reduzieren – ohne Kompromisse bei Hygiene.
Wichtiger Hinweis: Kritische medizinische Anwendungen
In hochsensiblen medizinischen Situationen – etwa bei invasiven Eingriffen mit direktem Kontakt zu offenen Körperregionen – bleibt Einwegplastik weiterhin notwendig. Hier hat die Patientensicherheit oberste Priorität.
Nachhaltigkeit bedeutet nicht Verzicht auf Schutz – sondern differenzierte Anwendung.
Was wir daraus lernen können
Die Beispiele zeigen:
- Viele Einweglösungen sind historisch gewachsen.
- Sichere Alternativen existieren bereits.
- Prozessoptimierung ist oft wirksamer als Materialwechsel allein.
Auch im Alltag lassen sich ähnliche Prinzipien anwenden:
- Wiederverwendbare statt Einwegprodukte wählen.
- Material bewusst einsetzen.
- Unnötige Verpackungen reduzieren.
Ein Perspektivwechsel: Prozesse statt Materialien
Die zentrale Frage dieser Serie lautet nicht: „Welches Material ist hygienischer?“
Sondern: „Welcher Prozess gewährleistet Sicherheit bei minimalem Ressourcenverbrauch?“
Hygiene basiert auf validierten Abläufen, nicht automatisch auf Einwegplastik.
Teil 1 hat gezeigt, dass Hygienevorgaben selten ein bestimmtes Material vorschreiben.
Teil 2 hat differenziert, wo Einweg medizinisch notwendig ist – und wo Alternativen möglich sind.
Teil 3 macht deutlich: Nachhaltige Lösungen existieren bereits, wenn Prozesse intelligent gestaltet werden.
Verantwortung beginnt nicht mit Perfektion – sondern mit bewusster Entscheidung.
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→ Teil 1 lesen: Hygiene und Plastik – ein Missverständnis
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