Teil 2 der Serie: Hygiene und Plastik: Was ist notwendig – und was ist Gewohnheit?
Ist Plastik für Hygiene wirklich notwendig?
In kritischen medizinischen Situationen ist Einwegplastik oft unverzichtbar. In vielen anderen Bereichen – auch im Gesundheitswesen – existieren jedoch sichere Alternativen. Entscheidend ist nicht das Material allein, sondern der hygienische Prozess.
Nachdem wir im ersten Teil gezeigt haben, dass Hygienevorschriften meist keine bestimmten Materialien vorschreiben, stellt sich nun die zentrale Frage:
Wo ist Einwegplastik im Gesundheitswesen tatsächlich notwendig – und wo kann Plastik reduziert werden, ohne die Hygiene zu gefährden?
→ Teil 1 lesen: Hygiene und Plastik – ein Missverständnis
Teil 1: Hygiene und Plastik – ein Missverständnis
Teil 2: Hygiene und Plastik – Wo Einweg notwendig ist
Teil 3: Plastikreduktion im Alltag trotz Hygiene
Warum Einwegplastik im medizinischen Bereich teilweise unverzichtbar ist
In bestimmten Anwendungen bleibt Einwegplastik aus Gründen der Patientensicherheit notwendig. Dazu gehören:
- Sterile Spritzen und Infusionssysteme
- Blutbeutel und Katheter
- Einwegartikel bei Operationen
- Produkte mit direktem Kontakt zu sterilen Körperbereichen
Hier reduziert Einwegplastik das Risiko von Infektionen und gewährleistet konstante Sterilität.
Die Weltgesundheitsorganisation betont, dass Einwegprodukte insbesondere in kritischen medizinischen Situationen ein wichtiger Bestandteil moderner Gesundheitsversorgung sind:

Beispiel aus dem Klinikalltag: Für eine Patientin werden täglich Dutzende Einwegbecher verteilt – oft für jede Tablette ein eigener Becher. Hygiene darf nicht automatisch mit Einweg gleichgesetzt werden.
Quelle:
WHO – Safe management of wastes from health-care activities
Gleichzeitig weist die WHO darauf hin, dass nicht alle Anwendungen zwingend Einwegplastik erfordern.
Wo Plastik im Gesundheitswesen reduziert werden kann – ohne Hygiene zu gefährden
Wiederverwendbare OP-Textilien und Schutzkleidung
Viele Spitäler prüfen den Einsatz wiederverwendbarer medizinischer Textilien, beispielsweise bei:
- OP-Kleidung
- Schutzkitteln
- Abdeckungen
Eine Studie der niederländischen Organisation RIVM zeigt, dass wiederverwendbare OP-Textilien bei korrekter Aufbereitung gleichwertige Hygienestandards erfüllen und gleichzeitig die Umweltbelastung deutlich reduzieren können.
Quelle:
RIVM – Reusable medical textiles
Medizinische Handschuhe: gezielter statt routinemässiger Einsatz
Einweg-Handschuhe sind ein wichtiger Bestandteil der Infektionsprävention im Gesundheitswesen. Sie schützen vor direktem Kontakt mit potenziell infektiösem Material und sind in bestimmten Situationen unverzichtbar.
Gleichzeitig zeigen internationale Hygieneleitlinien, dass Handschuhe nicht in jeder Pflegesituation notwendig sind. Die Händedesinfektion bleibt die zentrale Massnahme zur Unterbrechung von Infektionsketten. Laut den Empfehlungen der US-amerikanischen Gesundheitsbehörde CDC sollen Handschuhe gezielt eingesetzt werden – insbesondere bei möglichem Kontakt mit Blut, Körperflüssigkeiten oder kontaminierten Materialien – nicht jedoch routinemässig bei jeder Patientenkontaktaufnahme.
Quelle:
CDC – Hand Hygiene in Healthcare Settings
Ein situationsgerechter Einsatz von Handschuhen kann den Verbrauch von Einwegplastik im Klinikalltag reduzieren, ohne die Patientensicherheit zu beeinträchtigen. Entscheidend ist die korrekte Risikoabwägung – nicht die pauschale Verwendung.
Verpackungen und Sterilisationssysteme
Viele medizinische Instrumente werden mehrfach in Plastik verpackt. Alternative Lösungen gewinnen an Bedeutung:
- wiederverwendbare Sterilisationscontainer aus Metall
- optimierte Verpackungssysteme
- Reduktion unnötiger Schutzschichten
Studien zeigen, dass solche Systeme Abfall reduzieren können, ohne hygienische Nachteile zu verursachen.
Quelle:
Health Care Without Harm Europe – Healthcare waste reduction
Plastik im Alltag: Hygiene ohne Einweg
Nicht nur Spitäler tragen Verantwortung. Auch im privaten Alltag entsteht Plastikabfall im Zusammenhang mit Hygiene:
- Einweg-Feuchttücher
- Einweg-Reinigungsprodukte
- Einweg-Verpackungen für Hygieneartikel
Nachhaltige Alternativen sind längst verfügbar:
- wiederverwendbare Reinigungstücher
- nachfüllbare Systeme
- Mehrwegbehälter
Auch hier gilt: Hygiene hängt von sachgerechter Anwendung und Reinigung ab – nicht vom Einwegmaterial.
Materialien im Vergleich: Ist Plastik hygienischer als Glas oder Edelstahl?
Für hygienische Anwendungen eignen sich verschiedene Materialien – vorausgesetzt, ihre Oberfläche ist glatt und porenfrei.
- Glas
- Edelstahl
- Aluminium
- Keramik
- bestimmte Kunststoffe
Entscheidend ist weniger das Material selbst als die Oberflächenbeschaffenheit und die korrekte Reinigung.
Warum Plastik im Detailhandel dominiert
- leicht verarbeitbar und verformbar
- geringes Gewicht
- bruchfest
- kostengünstig
Die Hygiene ist dabei häufig nicht der Hauptgrund für den Einsatz von Plastikverpackungen.
Kunststoff ist zudem hitzeempfindlich und für sauerstoffempfindliche Lebensmittel nur bedingt geeignet.
Glas, Aluminium und Edelstahl als Alternativen
Glas ist gasundurchlässig und chemisch inert. Seine Vorteile entfalten sich besonders in gut organisierten Mehrwegsystemen, die jedoch logistisch aufwendig sind.
Edelstahl, Glas und Keramik gelten im Haushalt wie in der Industrie als langlebige und hygienische Materialien.
Hygiene bedeutet Prozesse – nicht automatisch Einweg
Hygiene hängt von validierten Prozessen ab, nicht zwingend von Einwegplastik.
Wo sichere Aufbereitung möglich ist, können wiederverwendbare Systeme eine gleichwertige Alternative darstellen.
Die Herausforderung besteht darin, Patientensicherheit und Nachhaltigkeit gemeinsam zu denken.
Fazit: Sicherheit und Nachhaltigkeit zusammendenken
Einwegplastik bleibt in bestimmten medizinischen Situationen notwendig. Gleichzeitig zeigt die Forschung, dass in vielen Bereichen Reduktionspotenzial besteht – sowohl im Gesundheitswesen als auch im Alltag.
Im dritten Teil dieser Serie zeigen wir konkrete Praxisbeispiele zur Plastikreduktion trotz Hygienevorschriften.
→ Teil 3 lesen: Plastikreduktion im Alltag trotz Hygiene
Häufige Fragen zu Hygiene und Plastik
Ist Einwegplastik hygienischer als Mehrweg?
Nicht automatisch. Entscheidend sind Reinigung, Sterilisation und validierte Prozesse.
Wo ist Einwegplastik im Krankenhaus notwendig?
Bei sterilen Anwendungen wie Spritzen, Kathetern oder OP-Instrumenten mit direktem Kontakt zu sterilen Körperbereichen.
Gibt es nachhaltige Alternativen im Gesundheitswesen?
Ja. Wiederverwendbare OP-Textilien, Sterilisationscontainer und gezielter Handschuheinsatz zeigen Reduktionspotenzial.
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