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November 2025 | Fokus: Aktuelle Entwicklungen im Plastikkreislauf, Chemikalienbelastung und politische Fortschritte
Liebe Leserin, Lieber Leser
Es passiert derzeit so viel im Bereich Plastik, dass wir uns in dieser Ausgabe darauf konzentrieren, die wichtigsten Neuigkeiten aus der Szene zusammenzufassen. Wir haben gleichzeitig mit unserer neuen Mitarbeiterin Eliza das Aussehen des Newsletters etwas modernisiert und sind gespannt auf Deine Reaktion. Erzähl uns auch im PLASTIKFASTEN-Blog, welche neuen Erfahrungen du mit Plastik im Alltag gemacht hast!
Die Gemeinwohl-Ökonomie Schweiz mit ihren vier Grundwerten Menschenwürde, Solidarität und soziale Gerechtigkeit, ökologische Nachhaltigkeit sowie Transparenz und Demokratie unterstützt mit PLASTIKFASTEN verantwortungsbewusste Konsument*innen.

Wir wünschen dir eine inspirierende Lektüre!

Aktuelles

Schiff Plastikmüll-Export aus UK
Bild: Stockshop

Plastikmüll-Export aus UK (Aus den Augen aus dem Sinn)

Wir haben u.a. im letzten Newsletter über das Thema "Plastikmüll-Export" berichtet.
Leider scheint das Problem mit dem Plastikmüll-Export in Nicht-OECD-Länder noch immer zu bestehen. Zum Beispiel wurden gemäss neuester Meldung von "The Guardian" (Okt. 25, engl.) im ersten Halbjahr 2025 gegenüber dem ersten Halbjahr 2024 in Nicht-OECD-Länder 84% mehr Plastikmüll aus dem Vereinigten Königreich (UK) exportiert, hauptsächlich nach Malaysia (28'667 Tonnen) und nach Indonesien (24'006 Tonnen). Dies obwohl oft nicht sichergestellt werden kann, dass die Ware fachgerecht recycelt wird.
Es wird auch bemängelt, dass sich das Vereinigte Königreich (UK) an den Verhandlungen für einen Globalen Plastikvertrag Anfang August zwar fortschrittlich für eine Kunststoff-Produktionsdrosselung eingesetzt hat, aber scheinbar nicht in der Lage ist, die eigenen Abfälle zu recyclieren.

CH: Vernehmlassung zur Verordnung über die Vermeidung und Entsorgung von Abfällen VVEA und zur Verpackungsverordnung

Der Bund hat zusammen mit der Industrie, dem Handel und wissenschaftlichen Fachleuten Entwürfe für eine revidierte VVEA (Verordnung über die Vermeidung und Entsorgung von Abfällen) sowie eine revidierte VerpV (Verpackungs-verordnung) in die Vernehmlassung geschickt, um die Umsetzung des neuen USG (Umweltschutzgesetzes) vom 1. April 2025 zu konkretisieren. Die Vernehmlassungsfrist ist nun am 19.10.25 abgelaufen.
Die Koalition "Lang leben unsere Produkte", zu der auch ECOnGOOD via plastikfasten.ch gehört, hat rechtzeitig eine umfangreiche Stellungnahme eingereicht. Sie befürwortet grundsätzlich die Neuerungen, hat aber noch zahlreiche Lücken festgestellt und entsprechende Ergänzungen beantragt. Hier geht's zu unserer Stellungnahme.
PFAS-Messungen in hochalpinen Gebieten
Quelle: Stockshop

Das Neueste zu den 'Ewigkeitschemikalien' (PFAS)

Als PFAS (Per- und Polyfluorierte Alkylsubstanzen) wird eine Stoffgruppe mit über 10'000 fluorhaltigen Chemikalien bezeichnet, welche sich in der Natur kaum mehr abbauen und sich dort deshalb allmählich anreichern. (Wir haben schon mehrfach darüber berichtet). Einige Substanzen dieser Gruppe sind bereits verboten (z.B. PFOS, PFOA); weitere Verbote sind geplant. Nachdem einzelne dieser Stoffe verbreitet in der Natur, im Trinkwasser und sogar im menschlichen Blut gefunden wurden (siehe z.B. Artikel im Blick) gibt es fast wöchentlich neue Hiobsbotschaften.

Wie nun verschiedene Zeitungen berichtet haben, wurden im Oktober 2025 PFAS-Messungen in hochalpinen Gebieten der Schweiz durchgeführt. Dabei wurden verschiedene PFAS gefunden, u.a. auch die Substanz PFOS, welche bereits seit 14 Jahren verboten ist. Die Messungen wurden an verschiedenen Orten durchgeführt: u.a. in Skigebieten oder auf dem Jungfraujoch (3467m.ü.Meer). Auf dem Matterhorn (4478 m.ü.Meer) sei die (Gesamt-) Konzentration besonders hoch.
Basilius Thalmann, Umweltwissenschaftler an der ZHAW, sagt: «Dass PFAS auch in solchen Höhen und abgelegenen Gebieten vorkommen, ist bedenklich...
....Wer weniger PFAS in der Umwelt will, muss sie im Alltag (auch outdoor) meiden – also keine Imprägniersprays oder Outdoorausrüstung mit PFAS verwenden.» Quelle: z.B. 20min


Nachdem im Kanton St. Gallen PFAS-Messungen durchgeführt wurden und wegen zu hohen Gehalten auch schon Verkaufsverbote ausgesprochen werden mussten, wird man nun auch im Appenzell nervös, auch weil sowohl in Innerrhoder als auch in Ausserrhoder Milchsammelstellen erhöhte PFAS-Werte gemessen wurden. Dort ist nun eine ausgedehnte Messkampagne am Laufen, wobei Milchproben von über 200 Bauern- oder Landwirtschaftsbetrieben untersucht werden.
Auch im Kanton Zürich werden gegenwärtig 700 bis 800 Milchbetriebe getestet. In anderen Kantonen stehen ebenfalls Milchtests an.
Auch Fleisch, Fisch und Eier, werden getestet, weil dafür bereits Höchstwerte gelten.
Quelle: Tagesanzeiger

Man ist versucht, Goethes "Zauberlehrling" zu zitieren: "....Die ich rief die Geister, werd ich nun nicht los...."

Für Konsument*innen ist die Situation nach wie vor sehr verwirrend. In welchen Produkten stecken PFAS?
Die kürzlich überarbeitete Webseite "PFAS-frei? Eine Übersicht!" versucht, etwas Licht ins Dunkel zu bringen. Sie enthält (mit Schwerpunk Deutschland) Tipps für ein möglichst PFAS-freies Einkaufen und Leben.
Bild: Depositphotos

Alarmierende Ergebnisse bei Weichmacher-Kontrollen

Kantonale Chemikalien-Fachstellen fanden in zwei Dritteln der untersuchten Kunststoff-Gegenstände (Badewannen-Matten, Bettflaschen, Spielzeugboxen etc.) verbotene Phthalate. (Phthalate bzw. Phthalatsäureester sind hormonaktiv und können die Fortpflanzungsfähigkeit beeinträchtigen, weshalb einige von ihnen verboten sind.)
Im Interview gabt der Basler Kantonschemiker Yves Parrat erste Ergebnisse bekannt. Die nicht konformen Produkte werden aus dem Verkehr gezogen. Es seien vorwiegend Produkte aus Asien betroffen. Quelle: SRF-Kassensturz/Espresso

Good News

Gute Nachrichten zur Nachhaltigkeit

Neue Regelungen zu Mikroplastik in der EU und der in Schweiz

Es gibt immer neue Hinweise über die gesundheitlich negativen Auswirkungen von Mikroplastik auf Mensch und Umwelt, während sich das Mikroplastik in der Umwelt weiter anreichert und auch immer öfter in Lebensmitteln gefunden wird. Die zukünftigen Auswirkungen sind noch nicht absehbar. Nach Schätzungen der zuständigen EU-Kommission gelangen allein bei der Produktion jährlich ca. 187'000 Tonnen Kunststoffgranulate (Ausgangsstoff für viele Plastik-Produkte) in die Umwelt.


Die EU will die Umweltverschmutzung durch Mikroplastik bis 2030 um fast ein Drittel reduzieren und nimmt die Kunststoffindustrie in die Pflicht. Das Europaparlament in Strassburg hat nun im Oktober ein Gesetz verabschiedet, nach dem die Firmen sicherstellen müssen, dass keine Kunststoffgranulate in die Umwelt gelangen. Große Unternehmen müssen ihre Pläne jährlich von unabhängiger Seite zertifizieren lassen, wenn sie pro Jahr mehr als 1500 Tonnen Kunststoffgranulat verarbeiten. Für kleinere Unternehmen ist eine einmalige Zertifizierung vorgesehen. Quelle: plastxnow.de
In der Schweiz hat die Regierung am 29.10.2025 in den Bereichen Chemikalien, Altlasten, Luftreinhaltung, Biotopschutz und Abfall neue, bzw. überarbeitete Verordnungen genehmigt. Die Anpassungen der Chemikalien-Risikoreduktions-Verordnung betreffen unter anderem die Übernahmen aus dem EU-Recht bezüglich per- und polyfluorierten Alkylverbindungen (PFAS), und erstmals auch Verbote für Mikroplastik. In der Altlasten-Verordnung werden die Konzentrationswerte für Böden von Kinderspielplätzen für bestimmte Stoffe verschärft. Quellen: kyma-sea.org; news.admin.ch

Unser Kommentar: Die neuen Regeln betreffen nur gewisse Teile des Plastikproblems. Es sind kleine Schritte, die aber immerhin (zum Wohle der Umwelt und der Menschen) in die richtige Richtung weisen. Wir hoffen, dass andere Länder ebenfalls bald nachziehen.
Platiksammlung in Uganda
Quelle/Bild: #EndPlasticPollution

#EndPlasticPollution

Die gemeinnützige Organisation #EndPlasticPolution hat mit ihrem ZeroWaste-Programm in Zusammenarbeit mit Dorfbewohnern in Uganda 20 Tonnen in der Umwelt verstreuten Plastikmüll gesammelt und der ordentlichen Entsorgung bzw. dem Recycling zugeführt.
Auch wenn diese Menge im Verhältnis zu dem weltweit anfallenden Plastikabfall sehr klein erscheint, so ist allein der Bildungseffekt durch das hautnahe Erleben etwas sehr Wichtiges für die Bevölkerung .

Es gibt Bewegung im Alttextilien-Bereich

Die Firma Tell-Tex übernimmt ab 2026 die Sammlung der Alttextilien für die Stadt Zürich und will sie nachhaltiger gestalten. Sie will soviel wie möglich dem Second-Hand-Markt zuführen und hat neu die Möglichkeit, in einem noch im Bau befindlichen Betrieb am Bodensee Textilien auch stofflich zu recyceln. So besteht die berechtigte Hoffnung, dass deutlich weniger Alttextilien ins Ausland abgeschoben werden müssen. Quelle: Mitteilung Kanton Aargau (Aug 2025)

Die Recyclingmaschinenhersteller EREMA (Österreich) und BlockTexx (Australien) wollen das Textilrecycling von Polyester-Mischgeweben erstmals auf ein industrielles Niveau heben. BlockTexx hat ein Verfahren entwickelt, das Polyester und Cellulose aus gebrauchten Mischgeweben trennt.
Dieser Schritt geschieht scheinbar auch auf Druck der erweiterten Herstellerverantwortung in der EU.
Laut der globalen Non-Profit-Organisation 'Textile Exchange' wurden im Jahr 2023 (u.a. wegen dem Fast-Fashion-Boom) 75 Millionen Tonnen synthetische Fasern produziert, wobei Polyester mit einem Anteil von 57 Prozent an der gesamten Faserproduktion am häufigsten vorkam. Die Recyclingquote für Polyester wurde auf gerade mal ein Prozent geschätzt. Quelle: plastxnow.de (Okt.2025)

Schluss mit dem Black Friday!

Anlässlich des unsäglichen Kaufrausch-Tages mit vor- und nachgelagerten Zusatztagen, der 2025 am Freitag, 28. November stattfindet, schliessen wir diesen Newsletter mit einem Blick in die Zahlen: https://www.careelite.de/plastik-muell-fakten/. Mit jedem gekauften Produkt, ob online bestellt oder im Geschäft gekauft, fällt Verpackungsmaterial an, und dieses wandert direkt in den Abfall. Da in den meisten Verpackungen auch Kunststoff eingearbeitet ist, welches überdies als Verbundmaterial kaum separat recycelt oder sonstwie schonend weiterverarbeitet werden kann, sind die obigen Statistiken aus Deutschland zum Plastikverbrauch (in der Schweiz ist die Situation vergleichbar) für den Kaufrauschtag speziell relevant. Wir erkennen in der Öffentlichkeit kaum Bewusstsein für die Folgen dieses verantwortungslosen Verhaltens, weder auf Seiten von Produktion und Handel noch bei den meisten Konsumierenden.
Die 5 R's von Zero Waste
Wir - zusammen mit den uns verbundenen NGOs wie ZeroWaste Switzerland, Greenpeace Schweiz u.v.a.m. - legen das Augenmerk auf die bekannten fünf Prinzipien des nachhaltigen Konsums, mit vorgelagerten Umstellungen bei Produktion und Handel sowie den Rahmen-bedingungen durch die Politik.

Wer ausser uns vom Plastikfastenteam hat Lust, für 2026 eine kraftvolle Aktion zur Stärkung dieser fünf Prinzipien kurz vor dem nächsten Black Friday zu entwickeln? Schreib uns oder nutze den Blog.

Teil der Lösung zu sein fühlt sich einfach besser an!

Komm zu uns ins Plastikfasten-Team von ECOnGOOD Schweiz und hilf mit, bewusste Konsument*innen beim Abbau ihres Plastikverbrauchs zu unterstützen.

Hast du ein grosses Netzwerk oder möchtest einfach aktiv werden, ohne schon genau zu wissen, wie? Melde dich unter info@plastikfasten.ch oder telefonisch:

Gaby: Projektleitung; Tel. 076 391 48 42
Bruno: Fachleitung; Tel. 079 451 69 72
Eliza: Marketing, Soziale Medien

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alt="Das Plastikfasten-Team: Gaby, Bruno und Eliza"
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Herzlich –
Gaby, Bruno und Eliza
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