Ein Angebot der Gemeinwohl-Ökonomie Schweiz

für kritische Konsumentinnen und Konsumenten

Newsletter 5 - September 2024







Hallo lieber Leser, liebe Leserin


Heute vermitteln wir dir wertvolles Wissen über Mikro- und Nanoplastik. Vertieftest Verständnis hilft uns, eine Plastikreduktion auch bei diesen schädlichen Teilchen zu erreichen. Lass uns wissen welche Erfahrungen du damit machst - im PLASTIKFASTEN-Blog.

Die Gemeinwohl-Ökonomie Schweiz (www.econgood.ch) mit ihren vier Grundwerten Menschenwürde, Solidarität und soziale Gerechtigkeit, ökologische Nachhaltigkeit sowie Transparenz und Demokratie unterstützt mit PLASTIKFASTEN verantwortungsbewusste Konsument*innen. Wir wünschen gute Lektüre!

Dem Bund fehlt die Übersicht bei problematischen Stoffen.

Aktuell

Gemäss SRF/News hat die Eidgenössische Finanzkommission den Umgang des Bundes mit problematischen Umweltchemikalien kritisiert. Das Monitoring sei unzureichend. Siehe auf srf/news.
Unter diesen Umweltchemikalien befindet sich auch die Stoffgruppe der PFAS. Diese «Per- und Polyfluorierte Alkylsubstanzen» gehören im weiteren Sinne zu den Kunststoffen, bauen sich in der Umwelt kaum mehr ab und sind in vielen Fällen gesundheitsschädlich. Wir haben im letzten Newsletter darüber informiert.

Das Thema ist unterdessen zu Tagesaktualität in verschiedenen Medien hochgekocht. Im Kanton SG sind an mehreren Orten PFAS im Boden, in Milch- und Fleischproben stark überhöhte Werte (bis zum 40-fachen der erlaubten Höchstkonzentration) gemessen worden. Dies hat dazu geführt, dass die St. Galler Behörden den Verkauf von betroffenen Produkten gestoppt haben. Mehr dazu zum Beispiel auf 20min.ch. und auf infosperber.ch.

Streetparade 2024: Littering

Grossanlässe hinterlassen meist riesige Abfallberge. Die Realität an der Zürcher Streetparade ist erschreckend.
Die Organisation ‘OceanCare’ schrieb kürzlich (Aug. 2024) in ihrem Newsletter von 90 Tonnen Abfall. Ohne monströsen Einsatz der Aufräumequippen würden diese Orte wie Müllhalden aussehen.
Ein Grossteil des Abfalls lande auch im See und im Fluss – beides Trinkwasserquellen. Der Mythos der «sauberen Schweiz» bekommt hier tiefe Risse.

OceanCare hat dieses Video vom ‘Tag danach’ auf Instagram gepostet.

Zum generellen Littering in der Schweiz werden von ‘OceanCare’ u.a. folgende Zahlen genannt:
· Littering kostet die Schweiz 200 Millionen Franken jährlich: Das sind Kosten, die man
woanders sinnvoller einsetzen könnte: z.B. für die Infrastruktur von Mehrweg-Systemen.
· 65 Prozent der Littering-Abfälle sind Kunststoffe: Hauptsächlich Zigarettenstummel, die
pro Stück 1'000 Liter Wasser verschmutzen.


In diesem Zusammenhang weitergedacht:
· 1 Million Tonnen Plastik pro Jahr: Jede Person in der Schweiz verbraucht im Schnitt 127
Kilogramm Plastik. Da kann niemand mithalten – weder die Nachbarländer in Europa
noch der Rest der Welt!
· 85 bis 90 Prozent des Mülls in der Schweiz werden verbrannt. Pro Tonne Abfall entstehen 170 Kilogramm hochgiftige Schlacke.

Wissen: Schwerpunktthema Mikroplastik

1. Charakterisierung

Mikroplastik nennt man Kunststoff-Teilchen, die kleiner als 5mm sind.
Man kann unterscheiden zwischen primärem Mikroplastik, welches zur Modifizierung von Produkteigenschaften (z. B. in Kosmetika, Zahnpasta oder Babywindeln, Düngemittel etc.) eigens produziert wird und sekundärem Mikroplastik, welches durch Abrieb (z.B. von Autopneus) oder den langsamen Zerfall von Kunststoffprodukten (Plastikmüll) entsteht.

Nanoplastik, auch Nanokunststoff genannt, ist gemäss Wikipedia die Bezeichnung für eine weltweit anzutreffende, menschengemachte Umweltverschmutzung von winzigen Kunststoffpartikeln, die mit einer Größe von 0,001 bis 1 Mikrometer noch kleiner sind als Mikroplastik.
Oft wird Mikroplastik genannt, obwohl auch Nanoplastik mit gemeint ist.

2. Die Entstehung von Mikroplastik

Mikroplastik in der Umwelt entsteht unter anderem
· durch den Gebrauch von mikroplastikhaltigen Produkten;
· durch den Pneuabrieb an bereiften Fahrzeuge
· beim Waschen und Tumblern von kunststoffhaltigen Textilien (z.B. Nylon, Elasthan)
gelangen Faserteile ins Abwasser.
· durch Abrieb und Verwitterung von Plastikartikeln, Farbanstrichen etc. Dabei kann die
Verwitterungszeit je nach Material bis zu mehreren hundert Jahren betragen.
· Sogar beim Plastik-Recycling, nämlich beim Waschprozess, entsteht Mikroplastik,
welches dann ins Abwasser gelangt und von den Kläranlagen nur teilweise wieder
entfern werden kann. Quelle:
Sciencedirect (englisch)

Eine schon ältere Studie von IUCN (2017) identifizierte die Quellen von Mikroplastik im Meer und veröffentlichte folgendes Diagramm (die Zahlen verschiedener Quellen liegen aber z.T. beträchtlich auseinander.):

3. Verbreitung

Bild: OceanCare

An Stränden und auf dem Wasser ist Plastikmüll gut sichtbar, doch der grösste Teil der Verschmutzung ist (meist in Form von Mikro- oder Nanoplastik) unsichtbar in Böden, Gewässern, deren Sedimenten, auf Gletschern, in der Luft sowie in Lebewesen. Es wurde auch im Regen und in der Luft, im Trinkwasser oder im Blut und in verschiedenen Organen der Menschen nachgewiesen.

Mikroplastik und insbesondere Nanoplastik wird durch die Luft über tausende Kilometer u.a. bis in die Arktis getragen, wo sie sich z.B. im Meereis anreichern.
Mikro- und Nanoplastik wurde deshalb schon in allen Teilen der Welt nachgewiesen, u.a. im Mittelmeer, im Marianengraben, dem mit 11.000 Metern tiefsten Punkt der Weltmeere oder im Boden von abgelegenen Naturschutzgebieten wie zum Beispiel bei Vals oder bei L’Etivaz im Kanton Waadt. 53 Tonnen Mikroplastik schätzt man allein in Schweizer Naturschutzgebieten (Quellen: z.B. WWF, OceanCare)

Ca. 20 Tonnen Mikroplastik gelangen gemäss dem Bundesamt für Umwelt (
BAFU) jährlich aus der Schweiz über die Flüsse in die Meere.

Auf youtube sind diverse einfache Kurzvideos zu diesem Thema zu sehen, z.B. zum Thema Mikroplastik im Boden:
Video z.B. hier.

«Mikroplastik: Die grosse Welle kommt erst noch».
Unter diesem Titel erschien im Juli 2024 ein informativer Artikel in der Online-Zeitschrift ‚infosperber‘. Nach diesem werde die weltweite Verschmutzung mit Mikroplastik und die damit wahrscheinlichen Gesundheitsprobleme beim Menschen noch lange weiter zunehmen; dies vor allem, weil Plastikmaterial in der Umwelt meist sehr langsam zerfällt und selbst Plastikmüll aus den 1980er Jahren z.T. erst am Anfang seines Zerfallsprozesses (zu Mikroplastik) ist.
Quelle

4. Risiken

Es wird erst seit wenigen Jahrzehnten gezielter geforscht, welche Auswirkungen Mikroplastik auf Pflanzen, Tiere und Men-schen haben kann. Es tauchen immer mehr Studien und Berichte auf, welche schädigende Wirkungen zumindest nahe-legen.
Es sind einerseits die Partikel an sich, welche eingeatmet oder mit der Nahrung aufgenommen werden und z.B. eine zellschädigende und entzündungsfördernde Wirkung in Tieren und im Menschen zeigen. Siehe z.B.auf https://www.gesuendernet.de/gesundheit/gesunde-ernaehrung/item/1902-gesundheitsgefahr-durch-mikroplastik.html.

Viele Tiere im und am Meer verwechseln auch Plastikteile (Miko- und Makroplastik) mit Futter und sterben dann mit vollem Magen an Unterernährung. Die Auswirkungen von Plastik auf marine Lebewesen wurden z.B. in einer umfassenden Studie des WWF 2022 veröffentlicht.:
Der Deutsche Naturschutzbund schätzt, dass hauptsächlich Plastik jedes Jahr bis zu 135'000 Meeressäuger und ca. eine Million Meeresvögel das Leben kostet. Quelle.

Andererseits gibt es in Plastikmaterialien auch einige 100 Zusatzstoffe, welche u.a. von UN-Environment Programm (UNEP) als kritisch beurteilt werden (substances of high concern). Zu den kritischen Zusatzstoffen gehören unter anderem hormonaktive Substanzen wie Phthalate, Bisphenol A, gewisse polyfluorierte Alkylsubstanzen (PFAS). Einige stehen auch im Verdacht Diabetes, Krebs u.a. zu begünstigen, neurotoxisch zu wirken oder die Spermienqualität zu vermindern.

Siehe z.B. die umfassende Zusammenstellung der UNEP (englisch)

5. Was kann ich zur Verminderung von Mikroplastik tun?

(ein paar Ideen)

· Das Wichtigste: So weit wie möglich auf Einweg-Plastik verzichten, denn:
Einwegverpackungen machen etwa 50% des Plastikmülls der Haushalte aus. Die
Plastikflasche oder der Joghurt-Becher von heute werden möglicherweise das
Mikroplastik von morgen.
· Plastikmüll richtig handhaben, d.h. wo möglich wiederverwenden und vom Rest so viel
wie möglich gemäss den Vorgaben der Sammel-Organisationen sortiert dem Recycling
zuführen
· Mikroplastikhaltige Produkte vermeiden. Siehe Online-Ratgeber der Stiftung
Konsumentenschutz.
· Kaufe Textilien aus mind. 90% natürlichen Fasern. Mache z.B. mit bei der Aktion «No
more Polyester
»:
· Am Abfluss der Waschlauge an der Waschmaschine einen Mikrofaserfilter einbauen
lassen. (Firmen wie Fust, Mediamarkt, Sanitärgeschäfte, etc. bieten solche Filter an.). In
neuen Waschmaschinen sind solche Filter neuerdings schon integriert.
· Wäsche ,statt im Tumbler trocknen, bevorzugt aufhängen zum Trocknen.
· Autofahrer: Durch eine sanfte Fahrweise beim Autofahren kann man viel Pneuabrieb
vermeiden.

6. Petition "Schluss mit Einwegplastik"

Die NGO OceanCare lanciert eine Petition, die den Bundesrat auffordert, das Umweltschutzgesetz konsequent anzuwenden und unnötige Einwegartikel und Mikroplastik in Kosmetikprodukten zu verbieten. Die Schweiz «entplastifizieren»

Hier kannst Du unterschreiben.

Bild: OceanCare

Zum Schluss


· Mehr Informationen und Wissenswertes zu Plastik gibt es auf unserer Website https://plastikfasten.ch/wissenswertes-2/

· Plastikfasten.ch ist ein nicht kommerzielles Projekt. Spenden kannst du hier: https://plastikfasten.ch/spenden/


Und wenn wir schon dran sind:

Wir suchen gute Geister, die uns beim Aufbau eines Crowdfunding unterstützen.

Lass gerne von dir hören: 076 391 48 42 (Gaby) oder 079 451 69 72 (Bruno).

Unser Blog hat Hunger! Gib ihm Nahrung.


Die Plastikfasten-Community ist ein Ort, wo wir von- und miteinander lernen wollen. Darum braucht es eben alle. Bring dich ein mit deinen Ideen, deinen Erfolgen, deinen Fragen und Vorschlägen, was wir für die Community tun können.

Unser Team braucht Verstärkung!

Teil der Lösung zu sein fühlt sich einfach besser an! Komm zu uns ins Plastikfasten-Team der Gemeinwohl-Ökonomie Schweiz und hilf mit, bewusste Konsument*innen beim Abbau ihres persönlichen Plastikverbrauchs zu unterstützen. Kannst du z.B. WordPress? Oder hast du ein grosses Netzwerk, das du für die Plastikfasten-community gewinnen könntest? Oder willst du einfach hier aktiv werden, ohne schon genau zu wissen, wie? Melde dich bei uns unter info@plastikfasten.ch oder ruf an: 076 391 48 42 (Gaby) oder 079 451 69 72 (Bruno).

Reach out!

Unsere Newsletter dienen dazu, Plastikfasten zu verbreiten. Also: schick diese Ausgabe bitte weiter, mit einer freundlichen Empfehlung von dir an alle in deinem Freund*innenkreis, in der Familie, am Arbeits- oder Studienort. Wir wollen noch mehr aktive Abonennt*innen gewinnen. Danke für deine Unterstützung!


Diesen Newsletter will ich weiterhin erhalten!
Du hast diesen Newsletter von jemandem weitergeleitet bekommen und möchtest auch in Zukunft über die Aktivitäten für weniger Plastik informiert bleiben? Das freut uns! Schreib uns bitte an newsletter@plastikfasten.ch. Willkommen im Club!



Nun danken wir für dein Interesse! Bleib dran.

Herzlich -
Gaby und Bruno